Studienreform

Das böse Erwachen – Der missratene Bachelor

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Sonntag, 28. Oktober 2007
Von Jörg Rostek„Keine Zeit“, das hört man heutzutage auf dem Campus immer häufiger.„Keine Zeit für nichts mehr. Mein Stundenplan ist proppenvoll“, sagen sich die Studierenden. Der Grund? Das System Bachelor/Master.Eine neue Debatte rollt auf die Hochschulen zu. Zu zahlreich sind die Fehler im System. Zu überdeutlich ihre Konsequenzen. Selbst einstige Befürworter wenden dem Bachelor/Master, mit schlechtem Gewissen, den
Rücken zu – so haben sich die Professorinnen und Professoren, die mithalfen die Richtlinien des Bologna-Prozesses der Europäischen Union umzusetzen das nicht vorgestellt.
Die KritikerInnen sehen sich bestätigt und vergleichen das Bachelor/Master-System, sprich der Bologna-Reform, in ihre jetzigen Form als „grauen Herren“ (Momo). Und in der tat: ein Student/eine Studentin, der/die nebenher auch arbeitet (arbeiten muss, ein Kind hat und/oder sonstige Hürden während des Studiums überspringen muss)
erwischt es besonders hart. Mobiler sollte er die Studierenden machen. Studiengänge sollten international vergleichbarer strukturiert werden. Teilweise ist das auch gelungen, aber zu welchem Preis? Immer mehr Geistes- und SozialwissenschaftlerInnen, sowie StudierendenvertreterInnen und Gewerkschaftsmitglieder schießen immer
schärfer gegen den seit 1999 wirkendenden Bologna-Prozess. Unter den gegebenen Umständen, so die KritikerInnen, sei er ein weiterer Verrat an dem Humboldtschen Bildungsideal. Humboldt läge zwar schon bereits
durch die chronische Unterfinanzierung der Hochschulen am Boden, mit der Einführung dieser Form des Bachelor/Master-Systems würde man noch zusätzlich auf ihm herumgetreten.

Das es so gekommen ist, ist die Schuld derjenigen, die glaubten, die Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge sein ein rein bürokratischer Akt. Denn so war der Bologna-Prozess nie geplant. Wo
die BeführworterInnen des Bologna-Prozesses eine Chance für die Lehre sahen, die freier und unkomplizierter werden sollte, war es vor allem der Sparzwang der Hochschulen, die dafür sorgten, dass Modelle, ohne genauere Betrachtung einfach übernommen wurden. Obwohl Bologna auch einen Bachelor in acht Semester erlaubt, hat man sich beinahe flächendeckend für die sechs Semester entschieden. Schneller fertig
sollten die Studierenden werden – und traten sie ins Fettnäpfchen. Ein schnelles Studium bedeutet eben nicht eine höhere Qualifikation, erhöht aber zusätzlich die Personalkosten der Hochschulen proSemester. Die Hoffnung der VerteidigerInnen des Gegenwartsbachelor ist es, das die Studierenden ihr Studium schneller beenden und so
frühzeitig in den Arbeitsmarkt integriert werden. Unter dem enormen Zeitdruck gehen aber nur 15 Prozent der Bachelor-Studierenden ins Ausland. Das sind 15 Prozent weniger als der Durchschnitt. Die AbsolventInnen werden zwar wesentlich jünger sein, aber auch weniger Grundlagenwissen mitbringen, auf das sie aufbauen können. Wer liest schon zusätzlich Klassiker der Wissenschaft, wenn er/sie genug mit der zeitgenössischen Literatur zu kämpfen hat. Die Studierenden müssen ihre Lebenszeit an den Bachelor anzupassen, Bretter vor ihren Köpfen erreichten, dürfen sich nicht ablenken lassen. Ein selbstbestimmtes
Studium ist unter diesen Voraussetzungen unmöglich.
Stattdessen geraten immer mehr Studierende auf die schiefe Bahn. Immer mehr Studierende nehmen Aufputschmittel. Immer mehr Studierende suchen die Sozialberatungen auf und suchen  psychischen Beistand bei Studentenwerk und anderen Einrichtungen. Und wehe man erwischt einen Studiengang, der nicht zur eigenen
Persönlichkeit passt. In der Wochenzeitung „Die Zeit“ vom 25. Oktober 2007 stehen folgende Zeilen: „Die Zeit drängte bereits: ein knapper Monat noch bis zum Studienbeginn.
Als endlich eine Wohnung gefunden war, durch die teure Hilfe eines Maklers, kam plötzlich die Zusage aus Siegen. Dann aus Münster. Dann die aus Bochum. Zuletzt die aus Bonn. Sonja wird weder hier noch dort nachrücken, obwohl sie gerne würde. Ihr Vater ist arbeitslos, ihre Mutter ist Pelznäherin – für einen erneuten Umzug fehlt das Geld. Die 700 Euro müsste Sonja dann auch noch mitbringen, aber die sind schon für den Makler draufgegangen. Also bleibt sie; in der falschen Stadt, im falschen Studiengang.“Es muss die Frage erlaubt sein, warum die deutschen Intellektuellen diese Entwicklung geflissentlich ignorieren. Die meisten Studierendenwiederum nehmen „den grauen Herr Bachelor“ in Kauf, in der Hoffnung auf einen guten Job mit ausreichender Bezahlung. Betrogen werden sie auf jeden Fall – um die schönste Zeit ihres Lebens und eine
qualifizierte Hochschulbildung. Zeit für die HochschulexpertInnen zu erkennen, dass der kürzeste Weg nicht immer der schönste ist.

Bachelor und Master

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Freitag, 24. November 2006
Unter dem Stichwort „Studienstrukturreform“ findet in Deutschland eine massive Veränderung der Studiengänge statt. Die bisherigen Abschlüsse Diplom und Magister werden durch ein konsekutives Modell, also einen (meist sechsemestrigen) Bachelor, an den sich ein (meist viersemestriger) Master aufbauend anschließt, abgelöst. Einige Studiengänge an der Uni Münster sind bereits umgestellt (z.B. der Lehramtsbereich), bei anderen Fächern steht der BaMa direkt vor der Tür. Bei den neuen Studiengängen ist nicht alles Gold was glänzt. Vor allem bei den Prüfungs- und Studienordnungen, bei deren Ausarbeitung Studierende nicht beteiligt wurden stellt sich (wie bei den alten Studiengängen) einmal mehr die Frage der Studierbarkeit dieser Studiengänge. So wird wie schon jetzt die Regelstudienzeit eine utopische Zahl bleiben. Im Bachelor/Master-System wird dadurch jedoch ein höherer Leistungsdruck erzeugt werden können, da Studiengebühren noch schneller drohen als bisher. Ebenso wird es in diesem eher „verschulten“ System noch schwieriger neben dem Studium zu arbeiten, Kinder zu versorgen, etc.Was die ehrenamtliche Arbeit von FachschaftlerInnen betrifft so werden diese im neuen Modell nicht beachtet. Es ist zu beführchten, dass Fachschaftsarbeit für engagierte Studierende nicht mehr „rentabel“ sein wird. Somit wird dieses solidarische Ehrenamt dem allgemeinen Erfolgsdruck, der durch die neuen Studiengänge erzeugt wird, zum Opfer fallen. Serviceangebote wir Ersti- und Orientierungswochen, Klausuren-, Skripte- und Prüfungsprotokollverleih sowie die alltägliche Studienberatung könnte es in Zukunft nicht mehr geben. Aber auch demokratische Mitbestimmung der Studierenden durch ihre FachschaftlerInnen kann dadurch im Keim erstickt werden.

Bei der konkreten Ausgestaltung der Studien- und Prüfungsordnungen der neuen Studiengänge sind gerade die studentischen VertreterInnen in den Gremien gefordert, die Umsetzung kritisch zu begleiten und studierendenfreundliche Verhältnisse zu schaffen. Zu der Umsetzung dieses Konzeptes gibt es kein Patentrezept, denn was in der Wirtschaftswissenschaft gut ist, kann in einer Naturwissenschaft fatal sein.

Eine weitere zentrale Forderung an die neuen Modelle muss sein, dass allen Studierenden mit dem Bachelor-Abschluss der Weg in ein Masterstudium offen steht. In vielen Studiengängen ist völlig unklar, ob der Arbeitsmarkt Bachelor benötigt. So hat das Hamburger Landesgericht letzten Monat geurteilt, dass einem Jura-Studenten weiterhin BAFöG zu zahlen ist, da der Bachelor nicht berufsqulifizierend sei (). Desweiteren ist zu befürchten, dass weniger Ausbildungsplätze bereitgestellt werden und die Industrie sich aus dieser Verantwortung zu schleichen versucht indem sie die Risiken einer Ausbildung auf den Staat und den einzelnen Studierenden (der im schlimmsten Fall dafür Studiengebühren bezahlt).

Es dürfen keine finanziellen oder leistungsbezogenen Hürden eingebaut werden!

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