Gespräch mit Ministerin Schavan war ein Flop

By ufafomuenster

Die Wahrnehmungen könnten unterschiedlicher kaum sein. Bildungsministerin Annette Schavan hatte am Dienstag einige wenige Studierende der hochschulpolitischen Verbände und des Bildungsstreikes zu einem Gespräch geladen.  Während die Ministerin anschließend von einem „lohnenden Gespräch“ und „größtmöglicher Verbindlichkeit“ sprach, sahen die teilnehmenden Studierenden des Bildungsstreiks dies deutlich anders. Auch die Äußerungen Schavans zu den inhaltlichen Punkten werden unterschiedlich interpretiert. Ist die Aussage „Ich bin gegen die Quote zum Master“ nun ein Zugeständnis der Ministerin oder doch eher eine schwammige Aussage, die konkrete Antworten schuldig bleibt?

Der Student Imko Bußmann aus dem Kreis der Bildungsstreik-Gruppe in Münster nahm an dem Treffen teil und überließ uns seine ersten Eindrücke zur Veröffentlichung:

Also das Treffen war recht heterogen zusammengesetzt. Es waren Vertreter unterschiedlicher Interessenvertretungen sowie einzelner Hopo-Bundesverbände gewisser „Parteien“ im (recht kleinen) Saal. (genauergesagt RCDS, LHG, Jusos, waren von vornherein eingeladen, dazu kam recht kurzfristig noch ein Mensch von Campusgrün)
Los gings erstmal mit einer Lobhudelei seitens Annette Schavans… Sie feierte „ihr“ Ding Bologna regelrecht ab, behauptete immer wieder die selben, altbekannten, oft oberflächlichen und verkürzt formulierten Dinge… So seien ja Studienplätze geschaffen worden, BA/MA sei besser für die Wirtschaft und hastenichtgehört. Das, was man ohnehin kennt. Tja, das ging recht fix, dann begann „das Rigorosum“. Die Bildungsstreiker sowie der Campusgrünenmensch nahmen Schavan ziemlich auseinander, stellten direkte Fragen zu gescheiterten „Idealpunkten“ des Bolognaprozesses. Es wurde (natürlich völlig zurecht) die nicht vorhandene Demokratisierung der Hochschulen angeprangert, des weiteren waren Verschulung (fremdbestimmtes Lernen, Zwänge, Leistungsdruck etc.) sowie Probleme mit der Flexibilität beim Uni-Wechsel Punkte, die vorallem von studentischer Seite aufgegriffen wurden.

Schavan ließ das alles recht kalt. Sie konterte immer wieder mit den selben, nicht vorhandenen Argumenten. Des weiteren nannte sie die jetzigen Verhältnisse in den Hochschulen „alternativlos“, sie redete oft sehr dogmatisch und kompromisslos. Daneben kamen auch Klagen von einem Vertreter behinderter Studis sowie von Hochschullehrern nicht zu knapp. Die Hochschulmitarbeiter beklagen viel Arbeit, wohl abnehmende Bezahlung (Überstunden etc.) sowie eine Abstumpfung ihrer Inhalte…. Leider schoben sie sich selber aber keine Schuld an den Mißständen zu sondern gaben einerseits den Politikern, andererseits aber auch den Studis gewissermassen die Schuld.. (die würden sich ja nicht wehren…) Der Vertreter der behinderten Studierenden griff die katastrophale Situation gerade motorisch schwer behinderter (und damit als Härtefall geltender Menschen) auf, im Laufe der Jahre wären die „Lernbarrieren“ immer größer geworden.

Am Ende wurde dann der „Zankapfel“ immer größer, genauergesagt ging die Diskussion in eine eher allgemeine Richtung. So waren kurz Verkommerzialisierung und Studiengebühren Thema, jedoch blockte Schavan sämtliche Argumentationen seitens ihrer Kritiker ab…

So kam es dazu, dass, ohne Beifall von Studis, DSW, Gewerkschaften sowie einem Vertreter der Hochschulgemeinden in Deutschland der ganze Käse zuende war. Auf der anschließenden Pressekonferenz redete Schavan viel vom „Streitthema“ Bologna, behauptete aber immer wieder, dass die Veränderungen in kleinen Schritten kommen müssten. So entstand der Eindruck, dass die Kritik seitens der Studierenden einfach übergangen wurde. Aus diesem Grund haben auch einige Streiker den Kontakt zur Presse gesucht und verkündet, dass Schavans Verhalten eine klare Ablehnung verdient bzw. sie uns gar nicht wahrgenommen hat.

Ob angesichts dieser Eindrücken die frohlockenden Äußerungen der Ministerin, es gebe einen „Konsens, dass niemand zurück will in die Zeit vor Bologna“, die geeignete Zusammenfassung ist, lässt sich bezweifeln. Tatsächlich wäre die Aussage Ministerin Schavans, dass sie eine Quote für den Master ablehne, eine genauere Betrachtung wert, wenn dies nicht bereits jetzt der Alltag an den Hochschulen wäre. Schließlich sind in sehr vielen Studiengängen schlichtweg zu wenig Kapazitäten im Masterstudiengang vorgesehen, um alle Bachelor-Absolventen tatsächlich aufzunehmen. Frau Schavan wird ihre „Versprechungen“ ohnehin nicht mehr einlösen müssen. Gerüchten zufolge wird sie nach der Bundestagswahl nicht erneut dieses Amt ausfüllen.

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